Über Bildungssysteme

Die Bildung in Russland

„Frage-Antwort“ vom 14.01.2019

Moderator: Die beiden folgenden Fragen beziehen sich auf das heutige Bildungssystem. Beide Fragesteller heißen Sergej. Der erste fragt: «Was würden Sie einem raten, wenn er nicht zum Sklaven des heutigen Bildungssystems werden will? Denn das konzeptuelle Wissen auf der Basis der KGS und ein gewisser Überblick reichen alleine nicht aus. In den Fachhochschulen dozieren weltfremde Pädagogen, die von den praktischen Dingen des Lebens wenig Ahnung haben. Dagegen war es während Stalins Zeit genau umgekehrt. Sind wir also, bis zu einem gewissen Grad die Geiseln unserer Bildung? Und können wir daran gar nichts ändern? Was können wir tun?»

Pyakin: Der Gedanke, dass wir nichts umsetzen werden, solange sich das Bildungssystem nicht ändert, solange das Bildungssystem nicht die dafür erforderlichen Fachleute stellt, damit diese es dann richten können, ist ein absolut schädlicher und falscher Gedanke. Wie soll man das Bildungssystem ändern, wenn man nichts unternimmt? Wie, bitteschön? Einfach da sitzen, nichts machen und abwarten, bis sich irgendetwas von selbst verbessert?

Wenn die Bolschewiki genau das getan  hätten – nämlich abwarten, dann gäbe es das mächtige Russland heute nicht. Die Bolschewiki waren selbst Geiseln des zaristischen Bildungssystems. Mehr sogar, sie waren Geiseln jener Bildung, welche für die breite Masse der Bevölkerung nicht zugänglich war. Daher mussten Sie das Land auf den Resten der zaristischen Bildung aufbauen. Es gab überhaupt keine anderen Fachleute. Sie hatten nichts zur Auswahl. «Man muss die noch brauchbaren Reste aufsammeln und etwas aufbauen. Erst danach kann man es weiterentwickeln». So handelte man zu Stalins Zeiten: anfänglich nahm man das, was von dem vorherigen System übrig geblieben war und erst danach passte man das Bildungssystem  Schritt für Schritt an die Steuerungsaufgaben an. Man hatte das Ziel, die Gesellschaft weiter zu entwickeln, also musste sich diese auch verändern.

Daher haben diese Möchtegern-Konzeptuellen, welche behaupten: «Es wird nichts klappen, solange das Bildungssystem nicht geändert wird», überhaupt nicht verstanden, wie die Steuerungsprozesse funktionieren. Man wird niemals das Bildungssystem ändern können, wenn man sich nicht selbst mit der Steuerung befasst.

Was ist also zu tun? Was hatten die Bolschewiki zu Stalins Zeiten nicht, was wir jetzt haben? Wir verfügen über die Methodologie, über die «Konzeption Gesellschaftlicher Sicherheit». Auf Grundlage dieser Methodologie, können wir auf jedem beliebigen faktologischen Wissen – egal, woher wir es nehmen – entsprechend der aktuell angewendeten Steuerungskonzeption aufbauen.

Natürlich werden wir es nie schaffen, wenn wir darauf  warten, dass jemand für uns das Bildungssystem verändert. Wenn es ums Verschlimmern geht, dann ja; als Stalin starb, begann man damit, das sowjetische Bildungssystem zu demontieren. Und nun sind wir fast bis zu den amerikanischen Standards herabgesunken. Daher gilt in diesem Fall «Hilf dir selbst – sonst hilft dir keiner.». Indem man sich die Methodologie aneignet, die Theorie der «Konzeption Gesellschaftlicher Sicherheit», kann man danach in Ruhe an jeder beliebigen Faktologie, auf jedem beliebigen Gebiet arbeiten. Es ist auch nicht mehr wichtig, welcher Lehrer es dir beibringt. Denn das Wissen offenbart sich und du kannst es einschätzen und in dein System einbauen. Ich meine jetzt die Bildung erwachsener Menschen; die schulische Bildung verfügt über ihre eigenen Besonderheiten.

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Die Bildung in den USA

Moderator: Die zweite Frage bezieht sich auf das amerikanische Bildungssystem. Ein anderer Sergej (Sergej-USA, wie er sich selbst nennt) schreibt: “Nachdem ich mir die Dokumentationsreihe “Die letzte Pausenglocke” von Konstantin Sjömin und Ewgeniy Spitsin angeschaut hatte, wurde mir die Situation um unser Bildungssystem, genauer gesagt um dessen zielgerichtete Zerstörung klar. Wenn die Reformierung des Bildungssystems so weiterläuft, wird laut den Filmautoren und den im Film interviewten Personen,  das Land innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre vor einem Zusammenbruch stehen. Da drängt sich bei mir die Frage auf: Warum hat dieses Bildungssystem, welches in den USA schon seit Jahrzehnten existiert, bis jetzt noch keinen Zusammenbruch der USA bewirkt? Die Filmautoren führen das Beispiel einer amerikanischen Zeitschrift an, wo die Journalisten bereits in den 1950er Jahren die Schädlichkeit des amerikanischen Bildungssystems bemerkt haben. Kommt es etwa nur deshalb zu keinem Zusammenbruch, da die USA als die führende Macht die hellen Köpfe aus aller Welt herauslocken?”

Pyakin: Nein, nicht nur deswegen. Sondern auch weil die USA ein ANDERES Bildungssystem haben. Der Fehler des Fragestellers ist, dass er das übersehen hat.

Es ist nämlich so, dass es in den Vereinigten Staaten und in den Ländern der sogenannten Ersten, nämlich westlichen, Welt ein Bildungssystem für “Alle” und ein Anderes  für die “Elite” gibt. Was vernichtet wird, ist das Bildungssystem für die breite Bevölkerungsschicht. Sie bilden in ihren elitären Einrichtungen eigene Fachkräfte aus, wo in erster Linie konkretes fundamentales Wissen über die Steuerung von sozialen Prozessen vermittelt wird. Dagegen werden Fachkräfte für ganz spezielle Bereiche – begabte “Spezialisten” in ihrem jeweiligen Fachbereich – in erster Linie nicht in den USA ausgebildet, sondern vielmehr weltweit mit Hilfe der STEUERUNG zusammengesucht und mit hohen Gehältern in die USA gelockt.

Die USA müssen also umstrukturiert werden, da die breite Masse kein Wissen besitzen darf, welches für sie irgendwie von Bedeutung  sein könnte. Die Massen sollen sich weder ihrer eigenen Vernichtung widersetzen, noch eine eigene Steuerung aufbauen können, mit deren Hilfe sie  wiederum der Steuerung der globalen “Eliten” Widerstand leisten könnten. Auch die US-Landes-”Eliten” sind daran interessiert, dass das Volk kein Wissen vorzuweisen hat, von ihnen abhängig und weiterhin der Pöbel bleibt, der nichts zu melden hat.

Dagegen wurde in Russland nur ein einziges Bildungssystem für alle geschaffen. Ein anderes gibt es in Russland nicht. Für die “elitäre” Bildung geht man in den Westen ‒ dort werden sie zur sogenannten “Elite” ausgebildet, aber sie bekommen dort  lediglich eine Ausbildung zum Pöbel. Sie meinen zwar, sie seien dort eine “Elite”, gelten aber dennoch als der Pöbel. Demzufolge erhalten sie dort kein wirklich brauchbares Wissen. Denn sie besitzen nicht den Status, aufgrund dessen sie ein solches Wissen ‒ insbesondere das Wissen über die Steuerung komplexer sozialer Supersysteme, erhalten dürften.

Deshalb können alle nationalen “Eliten”, die ihre Leute im Westen ausbilden lassen, ein solches Wissen nicht erhalten ‒ sie bleiben immer abhängig von der überstaatlichen Steuerung. Schaut euch zum Beispiel Saudi Arabien, Katar, Kuwait  oder sonst irgendein Land an ‒ die Ausbildung an den englischen Universitäten gibt ihnen nichts, rein gar nichts. Außer, dass sie ausschließlich unter der Führung Londons arbeiten dürfen.

Eine solche Pöbel-“Elite” wird auch dafür in London ausgebildet, um Russland zu regieren. Die russische “Elite” denkt, dass sie sich einen Gefallen tut, wenn sie die gute Bildung für alle zerstört, also den Ast absägt, auf welchem sie selbst sitzt. Sobald die gute Bildung für alle abgeschafft ist, wird unsere Pöbel-”Elite” von dem westlichen Herrn nicht mehr gebraucht und ihr Schicksal wird viel schrecklicher sein, als das Schicksal der übrigen Bevölkerung. Denn von ihnen gibt es sehr Wenige. Und um der russischen “Elite” eine Lektion zu erteilen, wird der Westen sie so stark unterdrücken, dass sie ein Ende mit Schrecken noch als Glück empfinden wird, um einem Schrecken ohne Ende zu entfliehen. Das verstehen sie aber nicht. Sie erkennen weder ihre Abhängigkeit von Russland, noch dass sie nur solange eine Zukunft haben, wie Russland existiert.

Die USA als ein Subjekt überstaatlicher Steuerung sind die Weltpolizei. In Wahrheit hatte keiner vor, aus den USA das Paradies auf Erden zu machen. Das war ein propagandistischer Schachzug. Man präsentierte die Amerikanische und die Sowjetische Art zu leben. In der Sowjetunion wurden allerdings die Lebensstandards gezielt niedrig gehalten. Die Trotzkisten Chruschtschow und Breschnew, welche nach Stalins Tod an die Macht kamen, brachten den sowjetischen Lebensstil und das sozialistische System gezielt in Verruf.

Die Sowjetunion in der Zeit nach Stalins Tod [im Jahre 1953] war lediglich die Endphase des sozialistischen Systems und hatte nichts mehr  mit Sozialismus gemein. Man wartete, bis die Schöpferkraft des Volkes den Nullpunkt erreichen würde und das Volk somit auf die Umstrukturierung des Staates vorbereitet  war. Die Perestroika diente genau dieser Umstrukturierung. Deshalb sollte man im Zusammenhang mit Chruschtschow und Breschnew weder vom Sozialismus, noch vom sozialistischen System reden. Alles Positive an der Sowjetunion aus der Zeit Chruschtschows und Breschnews kam von Stalin. Chruschtschow und Breschnew haben lediglich das realisiert, wofür Stalin das Fundament gelegt, es aber zeitlich nicht mehr umzusetzen geschafft hatte. 

Gerade mal 12 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte die Sowjetunion als erstes Land auf der Welt einen Satelliten ins All geschossen. Das alles ist dem sowjetischen Bildungssystem zu verdanken. So waren die Amerikaner gezwungen zuzugeben, dass die Siege beim Wettlauf ins All dem sowjetischen Bildungssystem zuzusprechen sind. Generell betrachtet, machte das sowjetische Bildungssystem die Entwicklung der ganzen Sowjetunion möglich. Demzufolge standen die USA nun vor der Aufgabe, die eigenen Bildungsstandards zu erhöhen, um der Sowjetunion solange im Kalten Krieg Widerstand leisten zu können, bis die Sowjetunion [im Rahmen der Perestroika] den Bach runter gehen würde. Im Gegensatz zu den USA, musste in der Sowjetunion ein Prozess der Verdummung der Bevölkerung eingeleitet werden. Die Bildungsstandards wurden herabgesetzt. Statt das gut durchdachte stalinistische Bildungssystem weiter zu entwickeln und zu verbessern, wurde der Unterricht immer weniger methodologisch und weltanschaulich und stattdessen immer mehr faktologisch aufgebaut. Direkt Nach Stalins Tod wurden an den Schulen die Fächer Logik und Psychologie aus dem Fächerangebot entfernt.  Es ist selbstverständlich, dass die auf diese Art und Weise [zu Zeiten Stalins] die unterrichteten Schüler konzeptuell mächtig waren und ihre eigene Weltanschauung ins Leben rufen konnten. Doch das wurde erst zu den Zeiten Breschnews in die Praxis umgesetzt und hat sich als die „Konzeption Gesellschaftlicher Sicherheit“ herauskristallisiert. Diese zeitliche Verzögerung ist durch das „Zeitgesetz“ bedingt. Es ist bedauerlicherweise so gekommen und das ist auf die verräterischen Taten der Trotzkisten zurückzuführen. Wenn die Trotzkisten nicht gewesen wären, hätte die Sowjetunion all das noch viel früher erreichen können und wäre in ihrer Entwicklung vorangeschritten.

Gegen 1970 hatte der Westen den Kalten Krieg gegen die Sowjetunion ideologisch und wirtschaftlich verloren. Und nur der Verrat seitens der sowjetischen Führungsriege ermöglichte es, dass der Westen sich nicht in die Sowjetunion integrierte und ein normales sozialistisches System sich nicht über die ganze Welt verbreitete. Im Gegenteil: Die Sowjetunion fing an, mit ihren Ressourcen den eigenen Totengräber – nämlich die USA – zu unterstützen. Die gemeinsame „Sojus-Apollo“-Mission diente lediglich dem Technologietransfer im Raketenbau, und zwar von der Sowjetunion in Richtung USA. Denn ansonsten wäre das gesamte Raumfahrtprogramm der USA schon damals zusammengebrochen. Abgesehen davon wurde von der Führung der Sowjetunion noch viel mehr unternommen, um die Sowjetunion zum Zusammenbruch zu bringen. Denn sie wollten das Land dem Westen zur Versklavung übergeben und selbst zum Diener des westlichen Sklaventreibers werden. Chruschtschow und Breschnew wollten es offensichtlich. Man muss sich nur ihre Aussagen und Taten anschauen. 

Moderator: Dem Gesagten bleibt nur hinzuzufügen, dass man diese Themen im Buch von Valeriy Pyakin „Über die Welt der gekrümmten Spiegel“, im Kapitel „Der Westen und die UdSSR – wie verlief der Kalte Krieg wirklich?“  genauer nachlesen kann.

Pyakin: Leider ist da aufgrund der Komplexität des Themas bei Weitem nicht alles erklärt. Egal, welchen Bereich des gesellschaftlichen Lebens man nimmt – stets lief es auf das Gleiche hinaus: In der Sowjetunion wurde es überall so gemacht, dass alles verkümmert und die sowjetischen Ressourcen in den Westen rüber geschafft werden.

Fonds Konzeptueller Technologien

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