„Antifaschismus“

Der faschistische „Antifaschismus“ der Liberalen

Der aktuelle Moment Nr. 2 (113) Mai 2014

In der analytischen Notiz «Ihr Kampf gegen die Menschlichkeit» (aus der Serie «Der Aktuelle Moment» Nr. 1 (112), 2014) haben wir geschrieben, dass die Liberal-«Antifaschisten» jeden davon überzeugen würden, dass der Faschismus in Russland bereits gesiegt habe, nachdem die Führung Russlands das nazistische Regime nicht anerkannt hatte, welches US-Geheimdienste Ende Februar in Kiew durch die Hand ukrainischer «Maidanisten» geschaffen hatten, und zu verstehen gegeben hatte, dass Versuche, ein ähnliches Szenario in Russland umzusetzen, verhindert würden. Der nachfolgende Gang der Ereignisse bestätigt diese Prognose. 

Eine solche Position der Liberal-«Antifaschisten» impliziert, dass eben «Russland eine Bedrohung für die schillernde Zukunft der gesamten Menschheit» darstellt und die «zivilisierte Welt» schlicht dazu verpflichtet ist, diese Bedrohung auszuschalten, bevor sie in einer Aggression Russlands gegen die «Zivilisation der Demokratie, Rechtsordnung und Menschenrechte» — also gegen den Westen —  zum Ausdruck kommt. Dementsprechend wurden die heimischen Liberal-«Antifaschisten» faktisch schon zu Anstiftern eines neuen Weltkriegs basierend auf allen sechs Prioritäten der allgemeinen Steuerungsmittel/Kriegsführung des «zivilisierten» Westens zur Vernichtung Russlands – der Originalität seiner Kultur und der physischen Auslöschung seiner Völker. Daher besteht die dringende Notwendigkeit, sich mit den pro-westlichen Liberalen zu befassen, gerade weil der Westen, wie aus den Arbeiten des IP UdSSR hervorgeht, — entgegen seiner eigenen Selbsteinschätzung — überhaupt kein Wohltäter der Menschheit ist, sondern eine zutiefst ungerecht-amoralische und aggressive regionale Zivilisation (im Vergleich zu anderen regionalen Zivilisationen des Planeten) aufgrund der Besonderheiten der biblischen Kultur als informations-algorithmisches System.

1. Die Liberalen in der Pose «Der Affe und die Brillen» 

Was die heimischen Liberalen im Verlauf der gesamten Geschichte des Liberalismus in Russland auszeichnet, ist das Fehlen des eigenen Verstandes, infolgedessen sie fast zwei Jahrhunderte lang Ideen aus Texten westlicher Denker schöpfen, d.h. diese einfach nachäffen und weiter nichts. Das bedeutet, dass sie sich intellektuell auf einer noch tieferen Stufe befinden, als der besagte Affe aus der Fabel von Iwan A. Krylow «Der Affe und die Brillen». 

Für die Liberal-«Antifaschisten», die sich nach der Rückkehr Wladimir Putins in das Amt des Staatsoberhauptes im Jahre 2012 wieder aktiviert hatten, ist das ebenfalls charakteristisch. Hier sind einige Beispiele so gearteter liberaler «Überlegungen» zum Thema Sieg des Faschismus in Russland aus dem Internet.

* * *

«Ein ausgezeichneter Artikel von Umberto Eco1. In den Erinnerungen an seine Kindheit im faschistischen Italien hat Eco 14 Merkmale des Faschismus identifiziert2.

  1. Traditionskult.
  2. Ablehnung des Modernismus. Die Moderne  ist sittliche Verkommenheit.
  3. Kult der Aktion. Argwohn gegenüber den Intellektuellen3
  4. Fehlende Übereinstimmung ist Verrat.
  5. Angst vor dem Andersartigen4
  6. Rückhalt bei frustrierten (enttäuschten und leidenden) mittleren Klassen. 
  7. Nationalismus (“du bist schon deshalb ein Guter, weil du hier geboren bist5”) und die Idee einer Verschwörung. “Die Nation ist vom Feind umzingelt”. 
  8. Kränkungen wegen der zur Schau gestellten Stärke des Feindes. 
  9. Kampfkult (“Friede ist bloß ein Traum”). Pazifismus gleicht einer Verbrüderung mit dem Feind. 
  10. Elitarismus. Unsere Bürger sind die besten der Welt. Strenge Hierarchie. 
  11. Heldenkult. 
  12. Kult der Männlichkeit und Verachtung nicht traditioneller sexueller Gewohnheiten. 
  13. Priorität der Rechte des Volkes über den Rechten des Individuums. Der Führer als Verkünder des Volkswillens6
  14. Neusprech. Primitive totalitäre Sprache, die auf die Ausmerzung von aufkeimendem kritischen Denken gerichtet ist.

Ich habe versucht, Analogien in unserer Wirklichkeit zu finden. 

  1. Schutz der “traditionellen Werte”. Die Milonow-Gesetze7.
  2. Der verdorbene Westen gegen das geistige Russland. Orthodoxie. 
  3. “Werktätige” gegen “Hamster vom Bolotnaja-Platz” und sonstige “Taugenichtse”. 
  4. “Die fünfte Kolonne”. “Volksverräter”. 
  5. Anti-westliche Rhetorik. 
  6. Wieder “Werktätige” und sonstige “einfache Russen”. 
  7. Es gibt “überall Feinde”, Staatsnationalismus sehe ich bislang nicht. Der alltägliche Nationalismus floriert und schreitet rasch voran. 
  8. Empörung wegen des amerikanischen “Imperialismus” und “Willkür”. All das “warum dürfen die Amerikaner das und wir nicht”. 
  9. Konfrontationsbereitschaft ist noch nicht offensichtlich. Obwohl der Wunsch “ordentlich Manieren beizubringen”, langsam erwacht. 
  10. Noch nicht ersichtlich. 
  11. Noch nicht ersichtlich. 
  12. Offenkundig vorhanden. 
  13. Offenkundig vorhanden. 
  14. Noch nicht ersichtlich. 

11 von 14 Merkmalen. Ist das viel oder wenig? Oder schüre ich umsonst Angst, und ist eher U.Eco ein eierköpfiger zionistischer Panikmacher, der keinen einzigen Traktor im Leben gebaut hat, und obendrein ein Schwätzer?»8

Ein weiterer Hyperlink zum Thema des Vergleiches der Situation in Russland mit den 14 Merkmalen des Faschismus von Umberto Eco — http://vegall.livejournal.com/66662.html. Dort sind die Merkmale anders angeordnet, aber sie sind so formuliert, dass der Sinn, der von U. Eco9 offeriert wurde, genauer wiedergegeben wird. Und das Thema bezüglich des Vergleichs dieser 14 Merkmale mit der russischen Realität, wird aktiv, sowohl von liberalen Internet-Graphomanen, als auch durch liberale Massenmedien wie «Echo Moskwy» propagiert.

«Im Jahr 2003 formulierte der Politikwissenschaftler Dr. Lawrence Britt, der sich mit der Erforschung der Regime von Hitler, Mussolini, Franco, Suharto und Pinochet befasste, 14 allgemeine Merkmale, die den Faschismus charakterisieren. 

Es ist hilfreich, sie zu kennen, und anzubieten, selbstständig Schlussfolgerungen zu ziehen.

1. Starker und langanhaltender Nationalismus — faschistische Regime nutzen ständig nationalistische Losungen, Mottos, Symbole, Lieder usw. Man kann überall Banner beobachten, sowie Symbole von Flaggen an Kleidung und öffentlichen Plätzen. 

2. Geringschätzung allgemein anerkannter Menschenrechte — aus Angst vor dem Feind und unter dem Vorwand, Sicherheit zu gewährleisten, argumentieren die faschistischen Regime, dass Menschenrechte in bestimmten Fällen aus Gründen der „Notwendigkeit“ ignoriert werden können. Die Menschen werden gezwungen “anders zu denken” oder sogar Gewalt, Mord, langwährende Freiheitsberaubung und dergleichen gut zu heißen. 

3. Ein gemeinsames Feindbild wird geschaffen / Sühnopfer als einendes Fundament — unter faschistischen Regimen vereinen sich Völker in patriotischen Bewegungen gegen eine gemeinsame Gefahr oder einen Feind: Rassen-, religiöse oder nationale Minderheiten, Liberale, Kommunisten, Sozialisten, Terroristen usw. 

4. Bevorzugte Position der Streitkräfte — selbst wenn das Land viele akute interne Probleme hat, erhalten die Streitkräfte unverhältnismäßig hohe Haushaltsmittel und interne Probleme bleiben ungelöst. Die Propaganda vermittelt ein attraktives Bild der Soldaten und des Militärdienstes. 

5. Starke Diskriminierung bezüglich der Geschlechtszugehörigkeit — in faschistischen Regierungen herrscht Männerdominanz. Traditionelle Genderrollen sind fest fixiert. Abstoßende Einstellung gegenüber Abtreibungen und Homophobie. 

6. Kontrolle der Massenmedien — sie werden direkt von der Regierung oder indirekt von sympathisierenden Journalisten oder den Führungskräften der Medien kontrolliert. Die Zensur ist weit verbreitet — besonders in Kriegszeiten. 

7. Manisches Interesse für die nationale Sicherheit — Angst wird von der Regierung als Druckmittel zur Motivation der Massen eingesetzt. 

8. Verflechtung von Religion und Regierung — die Regierung …

IP UdSSR  
2.-7. Mai 2014

Fonds Konzeptueller Technologien


1. In der zitierten Quelle wird ein Hyperlink zu einem Artikel von Umberto Eco «Der ewige Faschismus» angeführt: http://smartfiction.ru/prose/eternal_fascism/. Umberto Eco (geb. am 05. Januar 1932 in Alessandria, Italien) — italienischer Philosoph, Mittelalterhistoriker, Semiotik-Spezialist, Literaturkritiker und Schriftsteller.

2. Ferner werden 14 Merkmale in der Autoreninterpretation des zitierten Textes vorgestellt, die nicht immer mit dem Gesagten von U.Eco identisch ist und eine Vorstellung dieser Merkmale erzeugt, die sich von Umberto Ecos Darstellung unterscheidet.

3. In diesem Fall liegt eine Ungenauigkeit vor — bei U. Eco gibt es einen «Kult der Aktion um der Aktion willen». D.h. man ist sich der Ziele der Handlung nicht bewusst. Ohne die Präzisierung «um der Aktion willen» wird der Sinn verdreht, denn, wenn der «Kult der Aktion» ohne jegliche Präzisierungen von den «Antifaschisten» als «schlecht» bewertet wird, so wird das Nichtstun und Schmarotzen eben dieser «Antifaschisten» im Stillschweigen als «gut» bewertet. Neben der im Weiteren erwähnten «Traktoren», an deren Herstellung U. Eco nicht beteiligt war, und der Missbilligung der werktätigen Menschen, sowie einer billigenden Einstellung zu «Hamstern vom Bolotnaja-Platz», drückte sich in dieser «Reduktion auf Merkmale» die Neigung der Liberal-«Antifaschisten» zum Parasitismus aus. Anmerkung d. Übersetzung zu «Hamster vom Bolotnaja-Platz»: In Russland werden mit diesem Begriff die Aktivisten regierungsfeindlicher Jugendbewegungen benannt. Der Bolotnaja-Platz ist ein großer Platz im Zentrum Moskaus, auf dem häufig Demonstrationen stattfinden. Zur einer dieser Demonstrationen erschienen die eben erwähnten Aktivisten in Hamster-Kostümen, woraus sich der Begriff entwickelte.

4. Eine weitere Ungenauigkeit — Umberto Ecos «Ur-Faschismus (ein Terminus, mit dem U. Eco den «ewigen Faschismus» bezeichnet: eine Klarstellung unsererseits beim Zitieren) … basiert per Definition auf Rassismus». Was die Angst vor dem Fremden betrifft, so sagt U. Eco «der Ur-Faschismus wachse und suche nach Konsens, indem er die angeborene Angst vor dem Fremden ausnutzt».

5. Nach den Worten U. Ecos ist diese These «an die absolut sozial Benachteiligten» gerichtet.

6. Das ist ebenfalls eine Ungenauigkeit. Bei Umberto Eco steht etwas Anderes: «In den Augen des Ur-Faschismus hat das Individuum keine Persönlichkeitsrechte, und das Volk erscheint als Eigenschaft, als monolithische Einheit, die den Gesamtwillen zum Ausdruck bringt. Da in Wirklichkeit keine Anzahl menschlicher Wesen einen kollektiven Willen haben kann, beansprucht der Führer, alle vertreten zu können. Indem normale Bürger das Recht zu delegieren verloren haben, handeln sie nicht, sie werden nur — als Teil für das Ganze, pars pro toto — aufgefordert, die Rolle des Volkes zu spielen. Somit fristet das Volk sein Dasein ausschließlich als eine Bühnenerscheinung».

7. Witali Walentinowitsch Milonow ist Mitglied der gesetzgebenden Versammlung von Sankt Petersburg. Er legte verschiedene Gesetzesentwürfe vor, u.a. eines, das Embryonen Rechte einräumte. Er war mitverantwortlich für die Formulierungen des Gesetzes gegen homosexuelle Propaganda. https://de.wikipedia.org/wiki/Witali_Walentinowitsch_Milonow

8. http://andreysemenov.livejournal.com/335034.html

9. 1. Qualitativer Populismus. 2. Elitarismus. 3. Kritik-Intoleranz. 4. Frustrierte Mittelschicht. 5. Besessenheit von der Idee einer Verschwörung. 6. Irrationale Kombination aus Narzissmus und Minderwertigkeitskomplex. 7. Kult der Aktion um der Aktion willen. 8. Ablehnung des Pazifismus. 9. Traditionskult. 10. Ablehnung der Moderne. 11. Rassismus. 12. Helden- und Todeskult. 13. Kult der Männlichkeit. 14. Verwendung von Neusprech.