Konflikt um Bergkarabach.

Wem nutzt der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan?

„Frage-Antwort“ vom 28.09.2020

Moderator: Guten Tag, sehr geehrte Zuschauer, Zuhörer und Gäste im Studio! Heute ist der 28. September 2020.

Nächste Frage: «Valeriy Viktorovich, es gibt eine erneute Verschärfung des Bergkarabachkonflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan. Das Kriegsrecht wurde ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt, ebenso wie die Mobilisierung seitens Armenien. Aserbaidschan berichtete über die Einnahme von sieben Dörfern. Es gibt Verluste und Verletzte auf beiden Seiten. Wie kann dies enden? Und wem nützt es, diesen Konflikt jedes Mal neu zu entfachen?»

Karabach, Armenien, Aserbaidschan, Pyakin, Pjakin,

Valeriy Pyakin: Die Menschen tun mir leid. Aserbaidschaner, Armenier, alle tut mir leid. Denn aus der Sicht der bestehenden konzeptuellen Macht, die die Globalisierung nach dem alttestamentarische-biblischen Projekt vollzieht, haben die Menschen an sich keinen Wert. Es gibt die Politik der «goldenen Milliarde», wobei der überschüssige Teil der Bevölkerung in wirtschaftlichen Turbulenzen, Kriegen usw. aufgerieben werden, so dass sie verschwinden: sie sollen entweder im Krieg umkommen, oder an Hunger und Krankheiten sterben.

Was sind die Hintergründe des ganzen? Die Situation sieht folgendermaßen aus: Als Russland zu Beginn des XX. Jahrhunderts die Türkei als ein Staatsubjekt erhalten hat, hinterließ es den Globalisten einen Koffer ohne Griff, der sowohl schwer zu tragen als auch zu schade um wegzuwerfen ist. Und die Türkei bildete sich ein, ein gewisses Subjekt zu sein. Viele denken von Erdogan, dass er ein erstklassiger Anführer ist: «Erdogan hier, Erdogan da». Aber im Endeffekt läuft Erdogan wie auf den Schienen zum vollständigen Zusammenbruch des türkischen Staates bis hin zum  Zustand, der nach dem Vertrag von Sevres geplant war. Und nach dem Vertrag von Sevres (auch wenn wir das Entente-Abkommen von 1916 außer Acht lassen) wird ein Teil des türkischen Territoriums an Armenien gehen. Und das geht aus türkischen Sicht einfach gar nicht. Wie können sie diesen Teil des Territoriums abgeben, wenn doch der heilige Berg Ararat dort liegt? Haben sie etwa dafür eine Million Armenier umgebracht – um dieses Gebiet aufzugeben? Und was haben sie damit erreicht? Sie stellten sich auf die gleiche Stufe wie Hitler, damit später niemand die Liquidierung des türkischen Staates bereut. Einerseits lösten sie das Problem der Homogenisierung Armeniens, indem sie den aus ihrer Sicht unnötigen Bevölkerungsanteil abgeschlachtet haben. Und im nächsten Schritt werden auch die Vollstrecker liquidiert.

Jetzt, wo es nicht gelungen ist, als Resultat der IS-Offensive die Türkei zu zerstören… Ich habe bereits mehrfach das Szenario des „Arabischen Frühlings“ erklärt, man hat den Irak zerstört, damit er dem Iran nicht im Wege bei Etablierung des „richtigen“ Islams steht. Der IS sollte seine Aufgabe erfüllen, er müsste dem Iran vorausgehen, die Staaten vernichten und vollständigen Chaos bringen. Und dann kommt der Iran, der den IS vernichtet und den „guten“ Islam etabliert. Und so wird das europäische islamische Kalifat mit dem „guten“, richtigen Islam geschaffen. Das Konzentrationszentrum der Steuerung der islamischen Welt geht von Saudi-Arabien nach Teheran (also nach Persien) über. Und für die Union der türkischsprachigen Völker, die jetzt gebildet wird, ist das Format von Astana zuständig, das gleichermaßen gut in das Projekt „UdSSR 2.0“ als auch in die neue Weltordnung passt, wo der Iran zum Konzentrationszentrum der Steuerung wird, d.h. nach der Idee der Globalisten, wird es dort eingebunden, wo es notwendig ist.

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Aber es entsteht ein Problem mit der Türkei. Die Türkei muss erschöpft werden. Erstens hat der Iran es versäumt, den IS zu zerstören, weil die amerikanische Landes-„Elite“ (die als globale “Elite” wahrgenommen wird, weil sie alle anderen ausraubt – als Instrumentarium und davon lebt, aber das Geld geht letztendlich nicht an sie, sondern an die Globalisten; sie sind also nur ein Instrument, aber viele denken, dass sie das Steuerungssubjekt sind), nun die US Landes-”Elite” erkannte, dass auf diese Weise ihr Interessenbereich eingeengt sein würde (sie verlieren Asien, den Nahen Osten und Europa), also begannen sie Widerstand zu leisten – der IS begann mit Hilfe der Vereinigten Staaten richtig zu kämpfen. Ich wiederhole, der IS ist eine irreguläre US-Armee.

Im Endeffekt gab es einen weiteren Fehlschlag, als Russland erlaubt wurde, mit dem Terrorismus auf fremdem Territorium aufzuräumen. Für uns ist es von Vorteil, dass der Krieg nicht nach Russland kommt, wir müssen die Terroristen dort vernichten. Als Ergebnis davon präsentierte Putin, als ein konzeptuell mächtiges Staatsoberhaupt, die konzeptuelle Macht Russlands in der Welt. Und im Prinzip hat er Bedingungen geschaffen, unter denen das Konzentrationszentrum der Steuerung für ganz Asien (sowohl Zentralasien, als auch unser Mittelasien) Russland sein wird.

Der Iran wird jedoch von der Türkei daran gehindert, ein Konzentrationszentrum der Steuerung zu werden. Wie könnte man aber, die Türkei dazu bringen, Russland zu behindern und dessen Kräfte aufzubrauchen, damit der Iran nach dieser Schlacht wie ein kluger Affe alle Siegestrophäen einsammelt?

Und hier steht nun die Türkei, die zwischen zwei Fronten geriet: Zuerst ging den Vereinigten Staaten, als Folge unseres Sieges gegen die Terroristen in Syrien das Fracking-Öl aus, und zu diesem Zeitpunkt hatte man beschlossen, alle Schäden infolge der libyschen Ereignisse auf die Türkei abzuschieben… Vorher gab es auch einen Vorfall, der das Verhältnis zu Türkei verschlechterte, als die so genannten 33 Ritter in Weißrussland inhaftiert wurden (solche Bezeichnungen mag ich überhaupt nicht), dann wurden 32 von ihnen in ihre Heimatland ausgeflogen, was mit dem Letzten ist, ist weiterhin unklar ob er freigelassen wurde oder nicht. Ganz zu schweige davon, dass sich niemand öffentlich entschuldigt hat. Eigentlich macht man so etwas nicht. Wenn ihr Menschen öffentlich beleidigt und verleumdet habt, dann solltet ihr euch auch öffentlich entschuldigen. Das wäre das mindeste. Aber Lukaschenko kann es nicht über sich bringen, er macht miese Sachen offen, entschuldigt sich aber bestenfalls im Kleingedruckten auf der letzten Seite der Zeitung.

Als nächstes belieferte man Haftar mit Waffen. Und Haftars Sieg in Libyen nahm Form an. Daraufhin entsandte die Türkei mit ihren Flugzeugen syrische IS-Kämpfer in dieses Gebiet, sowie auch eigene Truppen, und nun stecken sie dort im Schlamassel. Frankreich und die Türkei lagen heftig im Streit miteinander, aufgrund der Tatsache, dass sich die Türkei in die Angelegenheiten Libyens einmischt. Zur selben Zeit legt sich die Türkei mit Griechenland an, und auch da ist das Problem, dass Truppen bereitgestellt werden müssen, um ebenfalls eine künftige Ölförderungsmöglichkeit zu gewährleisten. Mit anderen Worten – die Türkei wird sehr stark auf die Probe gestellt.

Wenn aber die Türkei weiterhin Truppen aus Syrien nach Libyen schickt, dann bekommen Frankreich und Haftar Probleme. Das heißt, künftig müssen dort ganz andere Handlungsweisen aufgezogen werden. Dieses Problem zu lösen wird ohne Russland nicht gelingen, wieder einmal wird dort Russlands vollumfängliche Beteiligung nötig sein. Um das zu verhindern und die Situation im Warte-Modus zu halten, hat man beschlossen, sich einen bereits existenten Konflikt in Bergkarabach zu Nutze zu machen, bei dem man einen Teil der IS-Kämpfer aus Syrien zermalmen kann. Ich wiederhole: niemand denkt dabei an das armenische oder aserbaidschanische Volk – die Pläne sind vollkommen anderer Natur. Und während das Problem gelöst wird, wie man sich der IS-Truppen entledigt, kann man den alten Streit wieder entfachen. Die Türkei dringt vollständig in ein Gebiet ein, von dem der Iran (Persien) meint, es gehöre ihm. Diesen Anspruch kann er nicht vollends geltend machen, solange Russland existiert, daher existiert Aserbaidschan in einem solch vagen Zustand. Aserbaidschan ist nämlich unter der Bedingung von Persien getrennt worden, dass es in Russland aufgenommen wird – niemand hat davon gesprochen, dass es ein eigenständiger Staat wird. Und zu den angespannten Beziehungen der Türkei kommt nun noch Persien hinzu.

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Und aus wem besteht das Triumvirat im Kampf gegen die IS-Anhänger in Syrien und Kurdistan? – Aus Persien (dem Iran), der Türkei und Russland. Wie man es auch dreht und wendet, aber Armenien und Aserbaidschan gehören zum Territorium Russlands. Das bedeutet – sollte der Konflikt in dieses Gebiet verlegt werden, hat die Türkei wieder einen Konflikt mit Russland. Russland hat dann zusätzliche Probleme bezüglich des Aufbaus der Russischen Welt. Zwar mag sich Russland jetzt gerade auf Weißrussland konzentrieren, aber die Globalisten werden hier die Diskrepanzen derart vertiefen, dass es folglich unmöglich ist, sie auf eine andere Weise zu lösen. Und gleichzeitig lösen sie taktische Aufgaben, um diese IS-Truppen zu zermalmen. Denn es sei daran erinnert, dass die armenischen Pogrome, die in Aserbaidschan stattfanden, durch eben diese entsandten Terroristen realisiert wurden, und danach klebte die blinde Menge an ihnen (den entsandten Rädelsführern, die diese Pogrome vollzogen haben). Jetzt haben wir in etwa dieselbe Situation – wieder wurden Terroristen geschickt und wieder wird dieselbe taktische Aufgabe gelöst.

Aber das ist ein Problem aller Projekt-Staaten – sie können im Rahmen der eigenen Staatssouveränität kein einziges Problem lösen. Sie müssen entweder unter jemandes Schutzschirm stehen (sehen Sie nur, wie nützlich sich Russlands Schutzschirm für Lukaschenko erwiesen hat) oder… Nun, Armenien und Aserbaidschan befinden sich in einem ganz anderen Zustand und dennoch macht es Russland Probleme. Und somit ergibt sich die Möglichkeit, sich mit Russland auf eine andere Art bzgl. Syrien zu einigen bzw. irgendein anderes Zugeständnis zu machen – und zwar so, dass der Iran und Russland mit gemeinsamen Kräften Druck auf die Türkei ausüben können. Erinnern Sie sich, als der Iran seinen Militärflugplatz zur Verfügung gestellt hat und bereits den Anspruch stellte «ihr kämpft dort und ich steuere von hier aus alles». Nun, das ist vollends daneben gegangen. Jetzt werden wir Russland Probleme verschaffen, Russland wird gefügiger, wir lösen das Problem mit der Türkei und die Türkei hört auf zu existieren. Das heißt, Russland wird zu dieser Sache keinerlei Verbindung haben, aber die Türkei wird in die Luft gehen. Sie hat einfach nicht ausreichend Ressourcen und sie wird gezwungen, verstärkt alle Ressourcen zu vergeuden und die sozial angespannte Lage im Staat noch weiter zu verschärfen, was dazu führt, dass die Türkei explodiert. Wenn Russland nicht geschwächt wird, übernimmt Russland das Gebiet der Türkei und die gesamte Anatolische Halbinsel wird zum Anatolischen Föderalbezirk Russlands. Deshalb ist die Aufgabe folgende: Russland schwächen und den Iran stärken.

Mit diesem Schritt, der der Türkei auf den ersten Blick von Nutzen ist, glaubt sie, ihre Probleme zu lösen, damit Armenien ihr am Ende nicht noch das Territorium streitig macht. Jedoch läuft alles in etwa auf den Plan von 1916 hinaus, das Entente-Abkommen. Nun, die Karte werden wir – die Globalisten – etwas korrigieren. Alles wird ein bisschen anders sein: denn Putin ist nicht Nikolaj II., er lässt sich nicht an der Nase herum führen. Er versteht sehr wohl, wo in diesem Entente-Plan von 1916 «die Leichen begraben sind», deshalb wird der Grenzverlauf ein etwas anderer sein.

Fonds Konzeptueller Technologien

2 Gedanken zu “Konflikt um Bergkarabach.

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