Tod des iranischen Physikers

Die Ermordung von Mohsen Fachrisadeh

„Frage-Antwort“ vom 30.11.2020

Moderator: Guten Tag, sehr geehrte Zuschauer, Zuhörer und Gäste im Studio! Heute ist der 30. November 2020.

«Valeriy Viktorovich, bitte kommentieren Sie die Ereignisse im Iran. Insbesondere die Nachricht, dass der Atomphysiker Mohsen Fachrisadeh in Teheran getötet wurde. Israel steht im Verdacht, hinter dem Attentat zu stehen».

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Valeriy Pyakin: Dies ist nicht der erste Mord an einem Physiker im Iran. Und da war noch etwas über die Beendigung der Zusammenarbeit beim iranischen Atomprogramm. Und wir haben bereits darüber gesprochen.

Sehen Sie, das iranische Atomprogramm hat sich so entwickelt, wie es geplant war – Syrien wäre weggefegt worden, die Türkei wäre weggefegt worden, die europäischen Staaten wären weggefegt worden und ein europäisch-islamisches Kalifat wäre errichtet worden. Und weil es in Europa Atomkraftwerke gibt, braucht man Spezialisten, die in der Lage sind, die Prozesse von der imperialen Ebene aus zu kontrollieren. So war das geplant.

Aber wenn sich das iranische Atom-Programm entwickelt und der politische Prozess nicht mit der Entwicklung des Atomprogramms Schritt hält, was folgt dann? Die Verlangsamung der Entwicklung dieses Programms. Und folgendes wird getan: Die Amerikaner ziehen sich aus dem Atomdeal zurück – man drückt auf die Bremse. Aber man kann das Programm nicht ganz stoppen, man muss zumindest eingeschränktes Wissen vermitteln, damit sich weiterhin etwas bewegt. Deshalb ist Europa gegen die Vereinigten Staaten, und das Atomprogramm ist immer auf dem aktuellen Stand und veraltet nicht. Das heißt, sie wissen, was und wie sie es tun müssen und wo sie nicht weiterzuforschen brauchen. Gleichzeitig sollte das Programm aber auch nicht aus dem vorgelegten Rahmen wachsen.

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Was noch? Das Atomprogramm ist ein Programm, das dem (blockierten) Iran die Möglichkeit gibt, eine internationale Zusammenarbeit auf globaler Ebene zu beginnen. Das ist ein Leckerbissen für jede klan-wirtschaftliche Gruppierung! Aber wenn das Programm stoppt, sich verlangsamt, findet sich immer eine klan-wirtschaftliche Gruppierung, die den Leiter des Projekts auswechseln will. Solange das Programm eine Erweiterung beinhaltet, steigen alle auf und wachsen schnell, aber wenn das Projekt eingefroren wird und das interne Karrierewachstum erhalten bleibt, gibt es ein Interesse, jemanden zu “beschneiden” – darum laufen auch verschiedene Terroristen herum, die Personen eliminieren.

Ich sage nicht, dass die Iraner selbst Mohsen Fachrisadeh eliminiert haben. Nein. Aber dass «ein Auge zugedrückt» oder «weggeschaut» und die Beteiligung der Geheimdienste einiger Länder bei dem, was getan wurde, «nicht bemerkt» wird, ist sehr wahrscheinlich. Im Prinzip ist es möglich, dass ihn eine klan-wirtschaftliche Gruppierung selbst eliminiert hat. Und in dieser Hinsicht wird Israel übrigens einfach überbewertet. Die waren selbst überrascht: «Das waren wir auch?! Ja ja, das waren wir auch! Und die Beweise… Tut uns leid, die sind nicht nötig». Aber der Iran wird auch keine Beweise liefern. Erinnern Sie sich, wie es mit dem Mord an Suleimani war. Eine absolut interne Auseinandersetzung. Und so ist es überall…

Auch der aktuelle Fall befindet sich in diesen Rahmen. D.h. der Iran sollte das Potenzial behalten, sofort zu einem Konzentrationszentrum der Steuerung zu werden. Aber gleichzeitig hat er im Moment nicht das tatsächliche Potenzial, um zu so einem Zentrum zu werden – es gibt noch zu viele Hindernisse. Noch in der Anfangsphase seiner Entwicklung hin zu einem solchen Zentrum konnte der Iran den Irak im Iran-Irak-Krieg nicht vernichten – Europa und die Vereinigten Staaten mussten sich anstrengen, um den Irak zu vernichten. Der Iran konnte den Islamischen Staat nicht vernichten. Der Iran wird auch die Türkei nicht vernichten können. Jemand müsste ihm bei all dem helfen.

Russland darf sich nicht in diesen Prozess einmischen. Auf keinen Fall.

Und die Situation um das Choda Afarin Wasserkraftwerk ist eine sehr ernste Angelegenheit (bereits seit Sowjetzeiten war geplant, dort eine Wasserkraftwerk-Kaskade nahe der aserbaidschanisch-iranischen Grenze zu bauen; und jetzt sind die «Giz Galasy» und Choda Afarin Wasserkraftwerke fertig) – es geht um die Verbesserung unserer Beziehungen zum Iran. Und der Iran wird an der Verbesserungen der Beziehungen interessiert sein, denn jetzt, wo der Iran als Folge des Berg-Karabach-Konflikts leer ausging, ist es für ihn sehr wichtig, wenigstens etwas (in gewisser Hinsicht) zu bekommen und sich als eines der Subjekte der Steuerung in den Prozess einzubringen. Hier können wir verhandeln; unter ganz anderen Bedingungen verhandeln.

Einige verstehen nicht, warum wir die S-400 an die Türkei verkaufen. Doch beim Waffenverkauf geht es immer darum, den anderen in seinen Einflussbereich zu integrieren. Er ist ein Verbündeter oder er ist es nicht, aber wenn Sie ihm Ihre Waffen verkaufen, ist er von Ihnen abhängig. Und wenn Erdogan sich so entschieden hat und gesagt hat: «Gebt mir die S-400», dann müssen wir sie ihm auch geben. Warum bauen wir ein Atomkraftwerk? Nun, entschuldigen Sie, der anatolische Föderalbezirk wird Strom brauchen. Warum sich nicht schon im Voraus darum kümmern? Lasst Erdogan es selbst bauen.

Es ist alles in Ordnung. Man muss nur die Steuerungsprozesse verstehen, das Niveau dieser Prozesse, und wer Subjekt und wer Objekt dieser Prozesse ist.

Fonds Konzeptueller Technologien

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