Russisch-Französisches Ministertreffen

«Anspruchsvoller Dialog»

„Frage-Antwort“ vom 15.11.2021

Moderator: Valeriy Viktorovich, bitte kommentieren Sie das Treffen zwischen Außenminister Lawrow und Verteidigungsminister Schoigu im «2+2»-Format mit ihren Amtskollegen Le Drian und Parly, das letzte Woche in Paris stattfand.

Sergei Lavrov, Jean-Yves Le Drian, Sergei Shoigu, Parly,
© EPA

Valeriy Pyakin: Le Drian, der jetzt Außenminister ist, war früher auch Verteidigungsminister. So ergab sich ein interessantes «2+2», d.h. die beiden französischen Minister verfügen in einem Bereich über besonders fundiertes Wissen.

Aber was ist das eigentlich für ein Treffen? Das ist nur zu verstehen, wenn wir uns an das erinnern, was Sergej Wiktorowitsch Lawrow vor einiger Zeit ohne Umschweife gesagt hat – nämlich, dass britische und französische Kolonialreiche in der Welt immer noch existieren. Sie sind real.

Man wird sagen: «Wo sind sie? Wie können die noch existieren?» Das Thema haben wir, glaube ich, in dem Werk «Der Staat» erörtert. Und wahrscheinlich kennt niemand den Begriff «Françafrique» – dieser bedeutet, dass afrikanische Staaten ihre gesamten Goldreserven bei einer französischen Bank deponieren, die Bank für sie Geld druckt und sie in ihren nationalen Banken nur Geld für die laufenden Ausgaben haben. Und die Kontrolle über die gesamte Wirtschaft liegt bei den Franzosen. Es wird das Prinzip, das bereits in den frühen 1960er Jahren proklamiert wurde, umgesetzt: Ein Frankreich ohne Afrika ist wie ein Auto ohne Treibstoff und ein Afrika ohne Frankreich ist wie Treibstoff ohne Auto. Mit anderen Worten: Wo sind die High-Tech-Kompetenzen, die den Aufbau eines modernen Staates ermöglichen? In Frankreich. Frankreich sichert durch seine Dominanz die Existenz von Françafrique. Das Gleiche gilt für Großbritannien, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass so große Herrschaftsgebiete wie Australien oder Kanada von Generalgouverneuren regiert werden, während all die dortigen Premierminister nur eingesetzt sind, um die Form wahren.

Und was wirft man Russland vor? Russland wird vorgeworfen, ein Imperium aufbauen zu wollen. Entschuldigung, Russland war bereits ein Imperium, und ist es im Wesentlichen immer noch. Der einzige Unterschied zwischen den westlichen Imperien und Russland besteht darin, dass es sich im Westen um ein interregionales Konglomerat handelt, während es sich in Russland um einen multiregionalen Block handelt. Ein interregionales Konglomerat zerstört stets die Zentren der Steuerung in den zu kontrollierenden Gebieten und zwingt ihnen seine eigene Steuerung auf, wie dies bei der Errichtung von Kolonialreichen der Fall ist. Ein multiregionaler Block hingegen bewahrt die kulturelle Identität der Völker und fügt sie in eine gemeinsame Staatlichkeit ein. Kein einziges Volk, keine einzige Kultur ist in Russland verschwunden, und viele schriftlose Völker haben eine eigene Schrift erhalten, ganz zu schweigen davon, dass in der Sowjetzeit … Ja, warum nur in der Sowjetzeit? Wurde Finnland etwa während der Sowjetzeit vom Westen annektiert und man begann dort ein Experiment zu einer künftigen Zerstörung Russlands durchzuführen? Ausgerechnet in Finnland, das nie eine eigene Staatlichkeit hatte … Man hat einen Staat aus Finnland gemacht, man schuf die finnische Intelligenz, man hat den Finnen einen Staat errichtet. Warum haben die Schweden dort immer noch so viel Bedeutung? Eben weil es hauptsächlich die Schweden waren, die das umgesetzt haben. Und viele Schweden wurden als Finnen eingebürgert.

Was ist also das Problem? Warum wird Russland vorgeworfen, ein Imperium errichten zu wollen? Der Grund ist, dass Russland plötzlich seine Souveränität verkündet hat. Russland ist nicht mehr bereit, sich einer Steuerung von außen zu unterwerfen. Dementsprechend groß ist der Widerstand der so genannten «ruszionischen Elite». Zahlenmäßig ist sie vernachlässigbar klein, wirklich von marginaler Größe, aber sie konzentriert sich im Steuerungssystem und insbesondere in der Steuerung des Staates. Sie sind diejenigen, die Russland an den Westen verkaufen wollen. Deshalb fällt es Putin so schwer, die Souveränität wiederzuerlangen. Er braucht Hilfe dabei!

Jeder muss das Wissen über die Steuerung komplexer sozialer Supersysteme beherrschen und ein Informationsfeld erschaffen, auf dessen Grundlage Putin weiter arbeiten kann. Was kommt sonst dabei heraus? Am 13. November wird Putin vom Fernsehsender «Rossija» interviewt. Worum geht es in diesem Interview? Wenn man sich das anschaut … Er gibt das Interview gleich nach dem APEC-Treffen. Es hat den Anschein, dass der Mann bereits müde ist usw. Worum geht es in diesem Interview? Darüber, dass … solche Dinge müssen gesagt werden. Er hat einen Pressesprecher – Peskow. Warum hat er dieses Informationsfeld nicht geschaffen? Warum ist in jeder Situation, in der etwas für Russland getan werden muss, Putin gezwungen, ein Informationsfeld zu erschaffen? Er muss dieses Informationsfeld selbst erzeugen! Peskow äußert sich zu allem wie er es für richtig hält. Aber er erzeugt kein einziges günstiges Informationsfeld für Russland, damit es Souveränität erlangt. Aber dass die «ruszionische Elite» Putin daran hindern wird, die Souveränität Russlands wiederherzustellen, davon redet er ständig.

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Fonds Konzeptueller Technologien

9 Gedanken zu “Russisch-Französisches Ministertreffen

  1. Yeti im Tiefschnee

    Brillanter Artikel zur Zeitenwende, wie wir sie gerade erleben. Während in der BRD die Außenpolitik künftig einmal mehr von intellektuellen Kleinkindern verschaukelt wird, muss jetzt Frankreich einspringen, zumal es Dank Kolonien gerade noch laufen kann. West- & Mitteleuropa hat die Wahl zwischen französischen Kolonialverwaltern 2.0 oder der außenpolitischen Kinderkrippe in der Mitte, wo unsere autistischen Kinder & Quotenfrauen lieber noch Doktor spielen 🙂 Da kann nur der Osten, sprich Russland die Lage noch retten! Es wird wieder einmal richtig knapp und lasst uns hoffen in diesem Chaos nicht unterzugehen! Eine Frage nur hätte ich an das FKT Team zu dem Hinweis bezüglich Finnlandkrieg 39/40: „Was war das Ziel der von Großbritannien geplanten Anschläge? Von welchen Stützpunkten aus?“ Könnten Sie bitte diese Rolle/Anschläge von GB kurz – ich weiß Sie sind sehr beschäftigt – ausführen/andeuten – vielen Dank! Darüber redet man im „Westen“ nicht oder nur ungerne…

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  2. Beni Kramer

    Ich frage mich gerade, ob die Globalisten über Asterix und der Greif (Band 39, gerade erschienen) etwas über das Verhältnis von Frankreich, Russland und sich selbst verschlüsselt mitteilen.

    Davor gab es Greta, und kurz darauf „Die Tochter des Vercinggetorix“ Band 38

    Als Schottland das Referendum über den Austritt aus Grossbritannien abhielt, erschien Asterix und die Pikten.

    Der Feminismus wurde mit Asterix und Maestria abgehandelt.

    Es würde mich nicht erstaunen, wenn Schlüsselfiguren in der französischen Rüstungsindustrie und Politik ein paar extra gedruckte Dollar-Geschenke von der anderen Seite des Ozeans zur Beschwichtigung für den entgangenen Handel mit Australien erhalten würden, oder jene erpresst werden, die nicht korrupt sind, damit sie „auf Kurs“ bleiben.

    Im Übrigen stimme Ich Ihnen zu, dass die Masse einen ausreichenden Wissensstand über die Steuerung erreichen muss, damit eine klassenlose Gesellschaft entstehen kann.

    Kann ich etwas tun, dass mehr Teile der KGS ins Deutsche übersetzt werden?

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      1. Peter Pan

        Eine Google Seite besuchen und dort die persönlichen Daten hinterlassen? Das ist für mich ein absolutes No go. Da kann ich ja gleich dem GP die Stiefel lecken.

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  3. heide

    Alles ja nett und korrekt formuliert, auch die Dinge, die weggelassen wurden…. Ich möchte beim Punkt Afrika nur kurz daran erinnern, dass auf diesem Kontinent China seit Jahrzehnten wesentliche Positionen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik mit seinen Leuten besetzt… Und wenn die “ Großen“ spielen ihr tictactoe, ist es für die kleinen Leute wirklich wesentlich, wer ihnen das Leben schwer macht, für wen sie sich abrackern und von wem sie benutzt werden? Ich denke nicht. Denn sie sind in jedem Fall der Verlierer. Ergo ist es für den „kleinen Mann“ unerheblich, wessen gesetzten Denkrahmen er erliegt. Richtig ist sicherlich im Rahmen der Politikwissenschaft zu studieren und Kenntnisse zu gewinnen, um zu verstehen. Aber wen macht das satt im Alltag? Nicht egal ist es für die Steuernden, wieviel Menschenmassen sie in ihre Steuerungskanälen manövrieren können. Für sie bedeutet das Gewinn oder Verlust ihrer Machtsphären.

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    1. Drusius

      @Heide
      Über das in den ehemaligen Kolonien etablierte Finanzsystem bekommt Frankreich pro Jahr etwa 200 Mrd. Dollar, wenn man ernst nehmen will, was man lesen kann.
      Dazu wurde zusätzlich das Handelsrechtssystem im Hintergrund etabliert. Die Eigentümer der Länderfirmen werden reich, die „Personen“ werden immer ärmer. Nicht umsonst sind etwa 40 Millionen Menschen von Sklaverei betroffen und hungerten rund nach unterschiedlichen Angaben zwischen 800 Millionen Menschen. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, bis zum Ende dieses Jahres auf 745 Millionen steigen, 100 Millionen mehr als noch vor der Coronakrise (https://taz.de/Zunahme-von-Hungersnoeten/!5784695/).
      Die Anzahl der Verhungerten überschreitet bei weitem die Zahl der behaupteten Corona-Erkrankungen. Es sind angeblich 11 Hungertote pro Minute. Nur hört man nicht davon.

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